Fränkische Landeszeitung , 17.11.2005
82 Firmen machen den Weg frei für einen City-Manager
Dinkelsbühl (ml) - Der Weg für die Einstellung eines City-Managers ist frei: 82 Dinkelsbühler Unternehmen erklärten sich am Dienstagabend bei einem Unternehmerforum in der Schranne dazu bereit, mit durchschnittlich 40 Euro im Monat die Finanzierung zu übernehmen.
Vertreter von 120 Firmen aus Handel uns Gastronomie, Dienstleistung und Handwerk waren auf Einladung von Oberbürgermeister Dr. Christopf Hammer und der drei Regionalbanken zu dem Treffen gekommen. Nachdem der OB schon im Vorfeld kräftig die Werbetrommel für einen City- Manager gerührt hatte, setzte er sein Plädoyer auf der Veranstaltung fort. Er sprach von einer historischen und auch einmaligen Chance. Dadurch, dass der Bund der Selbständigen keine Aktivitäten mehr entfalte, die Gewerbegemeinschaft sich aufgelöst habe und auch der Hotel- und Gaststättenverband sich lokal nicht mehr engagiere, sei ein Vakuum entstanden, das aber auch die Chance für einen Neunanfang biete.
Als ob er sich selbst für diesen Job bewerbe, entfaltete der OB ein mögliches Konzept für das City-Management: Er rief die Betriebe zu mehr Gemeinsamkeit auf. Innenstadt und Peripherie seien keine Gegensätze, sondern müssten sich ergänzen. Er empfahl ein Werbekonzept, das die Stadt Dinkelsbühl nach außen wie ein großes Kaufhaus mit gemeinsam beworbenen Sonderangeboten präsentiert.
Dr. Hammer verwies auf zahlreiche Aktivitäten der Stadt zur Stärkung der Stadt. " Wir machen viel, aber manche Dinge können wir den Unternehmen nicht abnehmen". Mehr oder weniger deutlich setzte er den Firmenvertretern die Pistole auf die Brust: Wenn es heute nicht zu einer Einigung kommt, dann hake ich dieses Thema ab". Er wolle dann nicht mehr hören "wir müssten manchen". Bereits im Vorfeld hatte sich der Rathauchef der Unterstützung der drei Regionalbanken versichert, die zudem ihren Firmenkunden den Besuch der Veranstaltung ans Herz gelegt hatten. Nicht ohne Erfolg, denn mit rund 200 anwesenden Personen war es der weitaus am besten besuchter Unternehmerstammtisch.
Die Bankchefs Friedrich Lechler, Ludwig Ochs und Dr. Christoph Glenk waren ebenfalls für mehr Gemeinschaftsgeist der Unternehmen und einen professionellen Fadenzieher. "Der einzelne kann nicht alleine mehr Kunden gewinnen", mahnte Ochs und Lechler fordert mit Blick auf die Rivalitäten und persönlichen Animositäten der Verbandsrepräsentationen in
Vergangenheit: "mehr miteinander als übereinander zu reden".
Weil es keine Organisation von Handel und Gastronomie mehr gibt, bot Dr. Hammer an, dass bis zu einer späteren Gründung eines Marketingvereins die Stadt in die Bresche springt. Die Kommune könnte als Vertragspartner auftreten und den Mann oder die Frau zunächst für ein Jahr befristet anstellen. Die von 82 Betriebe zugesicherten Monatsbeiträge - sie sollen nach Betriebsgröße gestaffelt werden - von durchschnittlich 40 Euro im Monat ermöglichten einen Etat von 30 000 bis 35 000 Euro für Personalkosten und 5000 bis 10 000 Euro für Werbekosten.
Interessierte Firmen können noch mitmachen. Formulare gibt es im Rathaus oder bei dem drei Regionalbanken. Den finanziellen Möglichkeiten entsprechend soll die Stelle sofort
ausgeschrieben werden und bis Januar eine Findungskommission drei bis fünf Bewerber auswählen. Die Kandidaten sollen sich dann im Januar auf einer Versammlung den mittragenden Firmen vorstellen und von diesen dann gewählt werden.
Dass der Oberbürgermeister aufs Tempo drückt, hängt damit zusammen, dass auch die Stadt ihre Marketinganstrengungen zum Jahreswechsel neu organisiert.
Für ein Jahr wird sich nach einer Gegenstimme gefassten Stadtratsbeschluss Reinhard Reck als Honorarkraft um die Außendarstellung der Stadt kümmern. Und in dieser kurzen Zeit soll Reck auch einer möglicherweise von auswärts kommenden City-Manager mit Rat und Tat zur Seite stehen. City- Manager würden oft scheitern, "weil Sie von einem Fettnapf in den anderen treten", so Reck. Dass es zwar Schnittpunkte gibt, das Stadt Marketing aber andere
Aufgaben hat als das City Management, machte Reck bei de Vorstellung seines Konzepts und geplanter Projekte deutlich. So will er ansiedlungswilligen Unternehmen mit besser aufbereiteten Informationen dienen, das Beschwerdemanagement soll so verbessert werden, das jeder Bürger, der sich mit einem Anliegen an die Stadt wendet, in einer bestimmten Frist eine Antwort erhält. Mit im Haus gefertigten Prospektmaterial für Zielgruppen, soll auf neue Kundenkreise zugegangen werden. Angedacht sind zum Beispiel Angebote für Betriebsausflüge mit Theatervorstellung, Torbegrüßung, Essen und Empfang beim Oberbürgermeister. Unter Recks Regie wird die Hexenausstellung im Rothenburger Tor vorbereitet sowie die Kooperation mit dem Städtetheater eine Hör CD als elektronischer Stadtführer produziert.
Dass die Gastronomie bei einem solchen Projekt die notwendigen Abspielgeräte verleihen könnte, ist für OB Hammer genauso ein Beispiel von möglicher Vernetzung wie das Angebot des Indoor-Spielplatzes zu einer gemeinsamen Aktion mit Handel und Gastronomie der Stadt, bei der es Freikarten für Erwachsene geben soll.
Der Verwaltungschef räumte ein, dass er bisweilen populistisch sei. Das mache ihm aber durchaus Spaß. Jeder Fernsehbeitrag über den Widerstand gegen die hohen Erdgaspreise sei auch kostenlose Webung für die Stadt und mache Eindruck auf mögliche Investoren: Dinkelsbhühl, eine Stadt, die sich gegen Monopole wehrt, komme als Marketing - Botschaft dabei rüber. Dieses neue Gallier - Image will der OB nun auf die Briefe der Stadt drucken lassen. "Die Revolutionäre " wird dort bald neben dem Absender stehen.

