Fränkische Landeszeitung, 02.02.2006
Eigengewächs soll Impulse geben
In basisdemokratischem Kandidatenwettbewerb gegen drei Mitbewerberinnen erfolgreich Dinkelsbühl (bi) - Eine gebürtige Wolfersbronnerin wird sich künftig hauptamtlich um die Pflege und Verbesserung des Einkaufsstadt-Images von Dinkelsbühl kümmern und dies im Rahmen einer Position tun, die es hier noch nie gab. Vertreter von etwa 100 Betrieben, die die Stelle der Citymanagerin mit ihren Beiträgen finanzieren werden, mussten sich am Dienstagabend im kleinen Schrannensaal in geheimer Abstimmung für eine von vier zur Auswahl stehenden Kandidatinnen entscheiden. Den überzeugenden Eindruck hatte bei ihrer Einzelvorstellung offenbar Anette Kolb hinterlassen, denn sie machte bei dem Votum das Rennen. Noch im Februar wird die Diplom-Soziologin wohl ihre Arbeit aufnehmen.
Auf die entsprechende Aufschreibung hin hatten sich durchaus einige Männer für die Stelle beworben. Von einer aus einzelnen Vertretern des örtlichen Gewerbes und des Rathauses bestehenden"Vorjury" waren die eingegangenen Unterlagen gesichtet worden, mit dem Ziel, die am besten geeignet erscheinenden Personen herauszufiltern. Bei denen, die übrig blieben und sich jetzt der keineswegs alltäglichen Prozedur eines basisdemokratischen Kandidatenwettbewerbs stellen, handelt es sich aber ausschließlich um Frauen, so dass sich Oberbürgermeister Dr. Chritoph Hammer bei seiner Begrüßung zur Wahl der Cytimanagerin begrifflich auch nicht mehr groß verbiegen musste.
Inzwischen seien exakt 100 Betriebe als Beitragszahler mit im Boot, so der Rathauschef, der diese Entwicklung als äußerst erfreulich bezeichnete. Für das erste Jahr ergebe sich daraus ein Finanzvolumen von 47 000 Euro. Hinzu kämen weiter 8000 Euro, die die drei ortsansässigen Regionalbanken und das Industrie und Handelsgremium beisteuern. Die gesamt Summe von 55 000 Euro lassen nach Abzug des für diese qualifizierte
Stelle anzusetzenden Gehalts von rund 35 000 Euro damit noch genügend Spielraum für die Finanzierung gemeinsamer Aktivitäten und Image-Kampagnen, erklärte der OB weiter. Anschließend stellen die vier Kandidatinnen, darunter eine Wirtschaftsredakteurin und eine Betriebswirtschaftlerin aus Baden-Württemberg sowie eine Medienmanagement-Fachfrau aus Unterfranken, sich und ihre Ideen in Kurzreferaten vor.
Anette Kolb, die in Bamberg Soziologie und Kommunikationswissenschaft studiert hat, musste als letzte ran. Sie verwies zunächst auf ihre Diplomarbeit, in der sie sich in den Entwicklungschancen einer Kleinstadt am Beispiel Dinkelsbühl beschäftigt hatte. Ihr sei klar, dass eine Citymanagerin "mit 100 Chefs" vor der Herausforderung stehe, viele Interessen unter einen Hut bringen zu müssen, auch werde es darum gehen, etwaige Konflikte innerhalb der Gewerbetreibenden-Gemeinde zu entschärfen und zu beseitigen, um für konzertierte Aktionen die bestmögliche Rückendeckung zu haben. Bei ihren Vorschlägen werde sie natürlich stets auf den in der Stadt verfügbaren Wissens- und Erfahrungsschatz zurückgreifen,"denn Sie sind die Experten" so Anette Kolb zu den anwesenden Betriebs-Vertretern. Überdies kündigte sie an, einen Arbeitskreis als flexible Zwischeninstanz aus allen Branchen ins Leben rufen zu wollen.
Wie die anschließende Abstimmung im Detail ausging, wurde nicht bekannt gegeben. Fest steht, dass die 27 Jährige loslegen kann, sobald es ihr organisatorisch möglich ist. Nach eigenem Bekunden dürfte das in etwa zwei Wochen der Fall sein. Ihr Büro wird sich im Herzen der Altstadt befinden, und zwar in direkter Nachbarschaft des Münsters im Gebäude einer Bank, die das Projekt mitfinanziert.
Weil noch kein Trägerverein besteht, wird die Citymanagerin zunächst auf Werkvertragbasis von der Stadt angestellt. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer, dem Gastronomensprecher Bernd Ollmann für seine Zielstrebigkeit in Sachen Citymanagement dankte, betonte aber, dass das nur als Übergangslösung gedacht sei.

