Eine Kampagne in lezter Minute verhinderte das schnelle Aus
Gründungsversammlung „Citymarketing Dinkelsbühl e.V.“ litt unter heftigen Geburtswehen
Lediglich 62 Betriebe waren anfangs vertreten – Stadt will bei Bedarf in die Bresche springen
DINKELSBÜHL (mk) – Unter heftigen Geburtswehen kam am Dienstagabend im kleinen Schrannensaal der Verein „Citymarketing Dinkelsbühl“ zur Welt. Weil anfangs anstatt der erhofften und erforderlichen mindestens 80 Gewerbetreibenden lediglich 62 anwesend waren, startete Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer kurzerhand eine „Last-Minute-Werbekampagne“ und forderte anwesende Stadträte auf, sich an ihr Mobiltelefon zu klemmen, um die noch fehlenden Citymarketing-Mitglieder zu akquirieren.
OB Hammer, der alles daran setzte, die Vereinsgründung nicht scheitern zu lassen, hatte als eine Erklärungsmöglichkeit für die gelichteten Reihen im Schrannensaal die „Dinkelsbühler Trägheit“, die ja allseits bekannt sei. Es liege sicher nicht am mangelnden Interesse der Gewerbetreibenden am Citymarketing, dass nicht die erhofften 80 gekommen seien, Die 62 Anwesenden wolle er aber auf keinen Fall nach Hause schicken, denn des würde für ihn den „politischen Tod“ bedeuten. „Wie würden mir bei der nächsten Wahl sicher nicht mehr Ihre Stimme geben“, meinte er an die Geschäftsleute im Saal gerichtet.
Während City-Managerin Annette Kolb, um deren Zukunft es bei der Vereinsgründung auch ging, einen Rechenschaftsbericht über ihr Tätigkeit im zurückliegenden Jahr gab, telefonierten anwesende CSU Stadträte Listen ab. Auf diese Weise erklärten offenbar weitere Dinkelsbühler Geschäftsleute ihre Bereitschaft, dem Citymarketing Verein beizutreten. Mit diesem Versprechen und den 66 anwesenden Betrieben, die sich in eine Liste eintrugen – drei enthielten sich – ging es schließlich an den Gründungsakt.
Einstimmig wurde die Satzung beschlossen. Ebenso einstimmig verlief die Wahl des Vorstandes. Hier waren bereits im Vorfeld die Fühler ausgestreckt worden. Vertreter der beiden Dinkelsbühler Regionalbanken hatten sich bereit erklärt, die Positionen es ersten und zweiten Vorsitzenden zu bekleiden. Damit, so erläuterte der OB, solle eine höchstmögliche Neutralität gewährleistet werden, kein Mitlied brauche Angst vor einer Übervorteilung zu haben. Die Versammlulung verzichtete auf Anregung Hammers auf eine geheime Abstimmung. Per Akklamation wurde Alexander Meiser zum ersten Vorstand gewählt, Achim Regenhardt wurde einstimmig zum zwei5ten Vorstand gewählt. Ebenso einstimmig gewählt wurden Jens Bergler (Schatzmeister) und Klaus Huber (Schriftführer). Einstimmig als Kassenprüfer bestimmt wurden Andrea Doberstein und Stefan Alber.
Weil der Gründungsakt nicht so reibungslos von statten ging, wie von den Organisatoren erhofft, sicherte Hammer zu, dass die Stadt in diesem Jahr noch in die Bresche springen werde, sollten in den kommenden Wochen nicht noch genügend Betriebe gewonnen werden. Am Gründungsabend ging OB Hammer von einem Beiträgsüberschuss aus, der sich zwischen 1500 und 2000 Euro bewegt, der finanzielle Spielraum kann durch weitere Mitglieder jedoch vergrößert werden. (Der Mitgliedsbeitrag bewegt sich zwischen 36,50 Euro und 51,50 Euro – ja nach Betriebsgröße). An einer finanziellen Mitbeteiligung der Stadt würden die geplanten Aktionen im Jahr 2007 jedenfalls nicht scheitern.
In den vergangenen 12 Monaten, listete Citymanagerin Annette Kolb auf, seien 66122,58 Euro eingenommen worden. Dem standen 60201,07 Euro entgegen. 23209 Euro wurden in die verschiedenen Maßnahmen gesteckt, wozu unter anderem eine Modenschau, zwei Benefiz-Aktionen und die Anschaffung von Fahnen und Werbebannern zählten. 34530 Euro fielen an Personalkosten an.
Der frischgebackene Vorsitzende Alexander Meiser drückte seine Hoffnung aus, dass die freien Plätze im Boot des Citymarketings noch besetzt werden können. Die angebotene Mitarbeit an die Mitglieder des neuen Vereins sei erst gemeint, so Meiser, denn die Organisation solle transparent sein. Ohne die Gründung des Vereis jedenfalls, so fuhr Meiser fort, wäre das Jahr 2006 jedenfalls „für die Katz“ gewesen. Einen Vorgeschmack auf das, was heuer an Aktionen geplant ist, gab Citymanagerin Kolb ebenfalls. Dazu gehöre unter anderem die Harmonisierung der Kernöffnungszeiten, im Frühjahr eine Veranstaltung zur Vermarktung regionaler Produkte und die Aktion „Dinkelsbühl blüht“. Für den Sommer sieht Kolb eine superlange „Shopping-Nacht“ mit einer besonderen Stadtbeleuchtung vor, die Aktion Fotografieren wie vor 100 Jahren, eine Neuauflage der Modenschau sowie im Spätherbst ein Unternehmensflohmarkt. Auch in der Vorweihnachtszeit will sich das Citymanagement mit diversen Aktionen wie einer Nikolausaktion in das Geschehen einbringen. Flankierend sollen interne Informationsveranstaltungen für die Mitgliederangeboten werden.
So wie OB Hammer zog auch Kolb über die vergangen Monate eine positive Bilanz. Hammer meinte außerdem, dass durch den neuen Verein ein Besinnen auf Gemeinsamkeiten stattfinden solle. Nach einer von der Stadt getragenen Übergangszeit müssten die Gewerbetreibenden nun Farbe bekennen, dem Citymarketing müsse der entsprechend rechtliche Rahmen gegeben werden. Der Verein habe aber nur dann Sinn, wenn er eine entsprechende Mitgliederzahl habe. Ohne „repräsentativen Charakter“ bliebe auch er, wie viele Dinkelsbühler Vorgängermodelle, lediglich eine „Splittergruppe“.
Fränkische Landeszeitung, Donnerstag, 1. März 2007, Martina Haas

