Fränkische Landeszeitung, 12./13.03.2005
Große Wehklagen, keine Ideen
City-Manager soll es richten- Stadtrat Huber: Spielraum durch frei werdende TSD- Leitung Dinkelsbühl (ml) - Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer hat sich massiv über Handel und Gastronomie in der Stadt beklagt: "Es herrscht ein großes Wehklagen, aber keine Bereitschaft etwas in die Hand zu nehmen", kritisierte er die lokale Wirtschaft auf der Jahresversammlung des Bundes und Selbständigen. Jetzt soll es ein Citymanager richten, den CSU-Stadtrat Klaus Huber als Ersatz für die Leistung des Touristik Service Dinkelsbühl (TSD) ins Gespräch brachte und für den Handel und Gastronomie 25000 Euro im Jahr aufbringen soll.
Weil der Vertrag mit der TSD-Chefin im Sommer auslaufe und bisher von keiner Seite dessen Verlängerung beantragt worden sei, bestehe ab September finanzieller Spielraum, begründete der CSU-Stadtrat seinen Vorschlag beim Bund der Selbständigen. Allerdings machte Huber deutlich, dass sich Handel und Gastronomie finanziell engagieren müssten. Er stellte eine Summe von 25 000 Euro in den Raum. Der Bund der Selbständigen beschloss schließlich, eine Beteiligung von 10 000 Euro in Aussicht zu stellen. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer zeigte durchaus Sympathien für ein solches Vorhaben. Ihm schwebt eine zeitliche Begrenzung und ein eng umrissener Auftrag vor.
Der Oberbürgermeister brachte auch gleich einen Namen ins Spiel, wobei ihm selbst klar war, dass sein Favorit nicht unumstritten sein wird: seien Wahlkampfmanager Reinhard Reck. Der war für OB auch in den letzten Monat mehrfach ehrenamtlich als PR-Berater tätig, hatte beispielsweise geholfen, die Weigerung der Stadt, die Erdgaspreise zu erhöhen medienwirksam zu verbreiten und das "magische Dreieck" bekannt zu machen.
Weil Reck seit drei Wochen auch einer seiner Stellvertreter im CSU-Ortsverband ist, sieht Hammer eine gewisse Brisanz und würde seinen Favoriten nur vorübergehend bis zum Start in den nächsten Wahlkampf auf diesem Posten sehen wollen. Den Überlegungen zum Citymanager war eine heftige Unternehmerschelte des Oberbürgermeisters vorausgegangen. "Die Fülle des Saals ist diamentral zum Jammern in Dinkelsbühl", hatte Dr. Christopf Hammer beim Blick in den leeren Saal festgestellt. Neben vier Vorstandsmitgliedern, drei Stadträten, eine Bankdirektor und zwei Schnuppermitgliedern waren nur drei der insgesamt 112 Mitglieder des Bundes der Selbständigen zur Jahresversammlung und dem Gedankenaustausch mit dem OB erschienen.
Weder im Einzelhandel noch in der Gastronomie habe die Stadt derzeit Ansprechpartner. Wenn es kein Interesse bei der Mitwirkung gebe, "dann bitte auch keine Kritik". Der Rathauschef beklagt das wenig offene Umgehen der Betriebsinhaber am Beispiel der gescheiterten City- Card. Wenn man der Meinung sei, dass die dahinter stehende Person ungeeignet sei, müsse dann das sagen. Oder wenn man von dem ganzen Vorhaben nichts halte müsse man das eben kundtun.
Deutlich macht Dr. Hammer, dass er neben Initiative auch mehr finanzielle Engagement von Handel und Gastronomie erwartet. Somit wird für den Weihnachtsmarkt ein Defizit von 30.000 Euro erwartet, für das die Stadt nicht alleine aufkommen könne. "Es gibt Weihnachtsmärkte, die ohne Unterstützung der Stadt leben." In Dinkelsbühl habe sich eine lethargische Grundeinstellung Breit gemacht: Ob man sich beteiligte oder nicht, es finde ja eh statt. Sollte das Interesse nicht wachsen, stellte der Oberbürgermeister auch Fortbestand des Unternehmerstammtisches in Frage. Im April er einen letzten Versuch starten. "Ist es nur Desinteresse oder geht es den Firmen doch zu gut?" fragte de Rathauschef, um den zu prognostizieren, dass Geschäfte im Stille der 80-er Jahre keine Überlebungschance mehr haben. Die Altstadt habe ihre Chance als Flanierzone. Wichtig seien deshalb Veranstaltungen oder Angebote, die Menschen in die Stadt locken.
Als Beispiel nannte der OB das Konzert mit Ritchie Blackmoore im letzten Sommer.Denkbar sei in Zukunft die Nutzung der neuen Tribüne im Freilichttheater, etwa für Modenschauen "mit Sektempfang am Altrathausplatz". So etwas zu planen "ist aber nicht Aufgabe der OB, sondern der die etwas davon verstehen."
Die wenigen Anwesenden stimmten dem Oberbürgermeister in seiner Kritik durchaus zu. Lediglich CSU Stadtrat Michael Beck verteidigte die Kaufleute. Es seien eben Individualisten. Sein Fraktionskollege Bernd Mack nannte das Fernbleiben der Verbandsmitglieder eine "absolute Frechheit". Bankvorstand Friedrich Lechler vermisste bei den Betrieben die gemeinsame Linie, kritisierte aber auch die Arbeit des Ortsvorstands der Selbständigen. Sein Fazit : "Schlimmer geht`s nimmer."
Der Vorsitzende des Ortsverbandes des Bundes der Selbständigen, Wulf Wachter, bezeichnete die Situation selbst als unbefriedigend. Nur mir großer Mühe sei es gelungen, 40 Teilnehmer an der Weihnachtsaktion zusammen zu bekommen. Dass es mit der City Card nichts wird " konnte sich vorstellen", weil das System zu teuer gewesen sei. Statt mehrer halbherzige über das Jahr verteilter Aktionen plädierte er für eine vernünftige. Das von Stadtrat Bernd Mack vom Vorstand geforderte "Klinkenputzen" wurde von Wachter und seinen Kollegen abgelehnt Dafür sei man in die eigenen Geschäfte und in den täglichen Existenzkampf zu sehr eingebunden.

